Interview mit Sven Wendelmuth von WORT-TON


Ich halte das Erstlingswerk "Hinter dem Verlorenen" von Sven Wendelmuth, der sich hinter dem Dark-Wave-Pop Projekt "Wort-Ton" verbirgt, in meinen Händen und frage den 40 Jahre alten Lyriker und Musiker, der an einer dezent- kuriose Großstadtphobie leidet, welchen Stellenwert Musik in seinem Leben hat. "Musik ist für mich ein wichtiger Bestandteil im Leben" erzählt Sven. "Gedichte zu Musik zu sprechen, fand ich von Anfang an beeindruckentd. Das eigene Musizieren ist für mich das Lebensthemen-Verarbeitungs-Ausdrucks-Medium schlechthin. Also auch in der Verbindung mit den Texten. Aber auch ein Medium, welches die Begegnung von Mensch-zu-Mensch befördern kann."
Ich komme nicht drum herum, nach dem allseits beliebten Thema Inspiration zu fragen. Sven lacht. "Wie lange haben wir Zeit? Das ist sehr, sehr viel. Also einige Beispiele sind das gelebte reale Leben, dann aber auch das vorgestellt-gedankliche Leben, wie etwas sein könnte - aber nicht ist, die Natur, Jahreszeiten, insbesondere der Herbst. Ich mag diese Zeichen und Zeiten von Abschied, Kälte, kahlen Bäumen und nebelgrau deshalb, weil klar ist, das es nicht für immer so ist. Das Grün kommt wieder, die Wärme, die klare Luft, das "mehr-Leben". Und trotzdem ist er eben so, wie er ist, der Herbst. Schön melancholisch zuweilen. Meine kreativste Zeit, wie ich gerade bemerke. Es kommen soviele Ideen, sowohl musikalisch, als auch textlich."
Welche Verbindung besteht in deinen Augen zwischen Literatur und Musik? "Ich finde, zwischen Musik und gerade auch Literatur bzw. Lyrik besteht eine tiefe Verbindung. Die Menschen, die sich durch Musik oder Lyrik ausdrücken, zeigen sich, machen sich sozusagen "auf". Sie zeigen durch ihre Worte oder die Töne: Das ist ein Teil von mir, so habe ich mich gefühlt in dem Moment, als es ans Tageslicht kam. Wenn es Menschen anspricht, ist meines Erachtens eine Verbindung da, eine Art Gleichklang - auch ohne direkte Begegnung. Und dies ist in meinen Augen eben bei jedweder künstlerisch, kreativen Ausdrucksform so."
"Hinter dem Verlorenen" - eine musikalisch-lyrische Reise in Seelenwelten, Gefühlslandschaften und Gedankenmeere. "Als ich im August 2009 mit Wort-Ton anfing, war es noch gar nicht klar, dass es ein Jahr später "Hinter dem Verlorenen" geben wird. Doch ich hatte so viel Freude beim Vertonen meiner Gedichte bzw. beim Vertexten meiner Musik, dass viele Stücke entstanden sind. Ende 2009 fasste ich den Entschluss: Nach einem Jahr würde ich gern ein erstes Album vorlegen. Mit der wundervollen Hilfe der lieben Leute von kgd-musix.de hat das alles gut geklappt. Es war allerdings ein intensiver und auch anstrengender Prozess. Denn neben der eigentlichen künstlerischen Arbeit habe ich mich ja auch sehr um die Eigen-PR auf den Portalen wie MySpace etc. gekümmert. Und so entstand dann auch ein erster "Wort-Ton Freundes- und Fankreis", so dass die erste Auflage nun fast ausverkauft ist."
Ein in Eigenregie entstandenes Debütalbum, das ist nicht nur intensiv und anstrengend, wie du gerade geschildert hast, sondern bestimmt auch extrem zeitaufwändig, wenn man sich um alles selber kümmert, oder? "In der Tat, das ist es, wie eben ja schon angedeutet. Allerdings: Ich habe eine 32-Stunden Stelle und bin derzeit Single - von daher ist durchaus Zeit vorhanden. (lacht) Witzigerweise werde ich von manchen Kollegen, die ebenso am Anfang stehen wie ich, zuweilen um diesen "Single"-Status beneidet - eben weil dadurch einfach viel mehr Zeit vorhanden ist, als mit Partnerin bzw. Familie. Hinzu kommt aber auch, dass ich eben ein recht planvoller Mensch bin, so dass mit einer gut durchdachten Struktur wirklich alles gut vereinbar ist."

